Johannes Conrad

Dieser bedeutende bürgerliche Wissenschaftler wurde am 28. Februar 1839 in Borkau (Westpreußen) als neuntes Kind eines Gutspächters geboren. Von 1851 bis 1857 besuchte er das Gymnasium in Danzig, das er aber wegen schwerer Krankheit vorzeitig und ohne Abitur verlassen mußte. Während der folgenden Jahre war er Eleve in der Landwirtschaft. Anfang 1861 bezog er die Universität Berlin, um hier Naturwissenschaften zu studieren. 1862 wechselte Conrad nach Jena über, wo er 1864 mit der Arbeit "Liebigs Ansicht von der Bodenschöpfung" promovierte.

Eine überaus erfolgreiche und schnelle Karriere folgte. Nachdem er 1868 in Jena sich habilitiert hatte, wurde Conrad schon 1870 außerordentlicher Professor an dieser Hochschule. Zwei Jahre später erhielt er den Ruf als Ordinarius nach Halle, um hier die Nachfolge des berühmten Gustav Schmoller anzutreten. Einen Ruf nach Göttingen lehnte er später ab und blieb der Alma mater Hallensis bis zum Lebensende verbunden.

1885/86 war er Rektor der Universität und befasste sich vor allem mit Fragen der Agrarstatistik und -politik. Er gründete das Staatswissenschaftliche Seminar, an dem er eine große Zahl von Schülern ausbildete, darunter auch viele Studenten aus Japan.

Sehr verbreitet waren seine Bücher, vor allem die Grundsätze und Leitfaden der Nationalökonomie und Volkswirtschaftspolitik sowie ein Grundriß der Finanzwirtschaft und der Statistik. Auch praktisch-politische Fragen untersuchte er, so die Bedeutung der Getreidezölle für die damals sehr schutzbedürftige deutsche Landwirtschaft. Conrad war Mitglied der Kommission für die Beratung des zweiten Entwurfs des Bürgerlichen Gesetzbuches.

Der international geschätzte Gelehrte - er war Mitglied zahlreicher Akademien - starb am 25. April 1915 und fand auf dem Laurentiusfriedhof seine letzte Ruhestätte. Nach seinem Tode gaben die Angehörigen die leider unvollendet gebliebenen Lebenserinnerungen des Gelehrten heraus, in der er auch sehr lebendig über die hallesche Universität und die Geselligkeit im Halle jener Zeit erzählte.